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Gute Bilder zeigen Wirkung. Schlechte auch.

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Heute widme ich mich dem schrecklichsten aller schönen Themen: Bildern und Ihrer Wirkung. Bilder sind fantastisch! Ein tolles Bild hat so viel Kraft und emotionale Wirkung wie kein anderes Medium. Aber Bilder sind auch schrecklich. Schrecklich, weil so viel Bild-Müll im Umlauf ist.

Lassen Sie mich erklären, was dahinter steckt: Vor einigen Jahren waren Bilder noch ein hoch geschätztes Gut. Es war aufwendig, gute Bilder zu finden, denn es gab keine Online-Bilddatenbanken und keine Google-Bildersuche. Bilder mussten aufwändig in gedruckten Katalogen recherchiert werden – was nicht immer von Erfolg gekrönt war.

Erst nachdem man ein tolles Bild ausgewählt hatte begann die Anfrage nach Preisen und Lizenzen. Oder man musste eigens einen Fotografen engagieren, weil sich das gewünschte Bild nicht hat finden lassen. Unternehmen haben damals noch viel Geld für Bilder bezahlt. Entsprechend wurde sehr viel Wert auf die Auswahl und die Wirkung der einzelnen Bilder gelegt.

Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen man 1000 Seiten starke Kataloge wälzen musste, nur um ein einziges Bild zu finden. Heute kann man Millionen Fotos auf Knopfdruck filtern, um zu jedem Thema passende Bilder zu finden. Und die kosten noch nicht einmal viel oder sind sogar kostenlos.

So verschwenden Firmen das Potential guter Bilder

Paradoxerweise ist die Qualität der Bildauswahl dadurch nicht besser geworden. Unternehmen ziehen heutzutage die einfache Lösung vor und begehen immer wieder die selben Fehler:

  1. Billige Preise führen zu geringerer Wertschätzung für Bilder. Anstatt sich Gedanken um die richtige Motivwahl und Wirkung zu machen, ziehen Unternehmen die billige Lösung vor: unverbindliches Standard-Bild gekauft, Standard-Spruch drauf, fertig!
  2. Bilder kosten nicht viel – und werden daher hemmungslos überall drauf tapeziert, wo Platz ist. Ein Bild sagt schließlich mehr, als 1000 Worte. Da müssen doch 10 Bilder einen ganzen Roman erzählen! Oder?
  3. Universell einsetzbare Bilder wie der obligatorische Händedruck sind besonders beliebt und landen in den Suchtreffern an erster Stelle – und kommen so noch häufiger zum Einsatz. Sieht ja auch viel freundlicher aus, wenn ein sympathischer älterer Herr vertrauensvoll den Leser anlächelt. Schade nur, dass der nette Mann billig zu haben ist und deshalb auch für 1000 andere Unternehmen arbeitet.*

Das hat auch Konsequenzen für die Fotografen: um auf dem Markt der Bildagenturen erfolgreich zu sein, müssen sie möglichst billig Bilder produzieren, die ein großes Publikum ansprechen. Die Qualität und Kreativität der Arbeit sinkt.

Ich will nicht alles schlecht reden. Wer sich Mühe gibt, findet bei den Bildagenturen auch jede Menge hervorragende Arbeiten und unverbrauchte Motive für sein Projekt. Für Sie ist das eine gute Nachricht:

Wenn Sie den oben genannten Fehlern aus dem Weg gehen, können Sie Ihren Unternehmensauftritt viel einprägsamer und wirkungsvoller gestalten, als Ihre Konkurrenten. Wichtig ist, dass Sie den Wert guter Bilder zu schätzen wissen – und bereit sind, sich ihre Wirkung zu Nutzen zu machen.

Welche Wirkung haben Bilder?

Der Spruch „ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ kommt nicht von ungefähr. Bilder werden von unserem Gehirn ganz anders wahrgenommen als Worte. Worte müssen erst von unserem Sprachzentrum dechiffriert werden, damit unser brillanter Denkapparat Ihre Bedeutung versteht.

Sprache ist eine relativ junge Entwicklung. Menschen sind vermutlich erst seit 40.000 bis 150.000 Jahren dazu in der Lage. Vielleicht auch schon deutlich länger. Es steht aber fest, dass unsere Vorfahren schon unendlich lange bevor sie sprechen konnten, Bilder mit Ihren Augen wahrgenommen haben.

Während Worte noch in der Dechiffrier-Maschine unseres Sprachzentrums stecken, werden Bilder parallel und wortlos verarbeitet und können unmittelbar Gefühle auslösen. Sie müssen nicht in der Menschheitsgeschichte graben, um das beobachten zu können: Babys können noch keine Worte verstehen. Aber auf ein Lächeln reagieren sie sofort.

Diese Eigenschaft verleiht Bildern große Macht:
  • Schnelle Kommunikation: Bilder wirken innerhalb von Sekundenbruchteilen. Bevor Ihr Wunschkunde überhaupt Ihre Worte verstanden hat, hat er sich bereits buchstäblich ein Bild gemacht.
  • Emotionale Wirkung: Wir können uns Bildern nicht verschließen. Unser Gehirn ist zwar ein Meister darin, störende Informationen auszublenden, aber ein einmal gesehenes Bild kann nicht „ungesehen“ werden. Es wirkt automatisch und unkontrollierbar auf unser Gefühlszentrum und löst dort Stimmungen und emotionale Haltungen aus.
  • Hohe Wiedererkennung: ein Bild lässt sich viel leichter einprägen als Worte. Wie oft haben Sie schon ein bekanntes Gesicht gesehen, konnten sich aber nicht an den Namen erinnern? Keine Angst, das geht allen Menschen so. Schuld ist unser Gehirn. Da Unternehmen kein Gesicht haben, greifen sie statt dessen auf Corporate Design zurück um auch von diesem Mechanismus zu profitieren.
  • Hohe Glaubwürdigkeit: trotz Photoshop und aller modernen Techniken der Bildmanipulation. Unser Gehirn ist geneigt, Bildern zu glauben. Besonders wenn sie nur flüchtig wahrgenommen werden, haben sie schon Eindruck hinterlassen, ohne dass der Verstand den Wahrheitsgehalt überprüfen konnte.

Oder um alles noch einmal kurz in einem Wort zusammen zu fassen: Wow! 

So machen Sie sich die Wirkung von Bildern zu nutze!

Ich erzähle Ihnen das alles, damit Sie sich nicht in die Reihe seelenloser Unternehmensauftritte einreihen, die Bilder als Lückenfüller missbrauchen. Suchen Sie statt dessen nach einer eigenen Bildsprache, die zu Ihrem Unternehmen passt und Ihre Kunden in die richtige Stimmung versetzt. Und an die sie sich erinnern werden.

Das kostet Zeit, denn gute, unverbrauchte Bilder findet man nicht auf Anhieb – schon gar nicht, wenn man es auf eine ganze Serie abgesehen hat. Eventuell müssen Sie auch Bilder in Auftrag geben. Das können Sie konkret tun:

  • Wählen Sie Bilder nach der passenden Stimmung und den Gefühlen aus, die Sie transportieren möchten.
  • Suchen Sie Bildideen, die nicht so naheliegend sind, dass alle anderen diese Bilder auch nutzen – schon gar nicht Ihre Konkurrenten.
  • Vermeiden Sie Bilder, die schon 1000 mal heruntergeladen wurden. Die Bildagenturen zeigen Ihnen diese wichtige Information immer an.
  • Verwenden Sie keine Füll-Bildchen ohne bestimmten Zweck.
  • Verwenden Sie lieber ein großes richtig gutes Bild, anstelle von mehreren mittelmäßigen. Geben Sie für dieses eine Bild notfalls lieber etwas mehr aus.
  • Verwenden Sie keine gekauften Bilder mit irgendwelchen Models wenn Sie eigentlich Mitarbeiter Ihrer Firma zeigen sollten.
  • Lassen Sie Portraits und Produktbilder professionell aufnehmen. Das kostet auch nicht mehr als ein guter Anzug. Und Sie werden wohl kaum in Jeans und T-Shirt zum Kunden gehen?
  • Und wenn sie zu einem Thema einfach kein passendes Bild haben oder Ihnen nichts Gutes einfällt: Verzichten Sie drauf!

Sie wissen jetzt, welche Macht Bilder haben. Ein gutes Bild kann für Sie viel bewegen. Auf der anderen Seite kann ein Bild, das Ihre Botschaft nicht stärkt, ihr aber auch erheblich schaden. Ich hoffe, Sie werden in Zukunft Bilder mit anderen Augen sehen und sie bewusst einsetzen. Die Flut an Standard-Bildern mit denen die meisten Firmen arbeiten ist für Sie eine große Chance: es war noch nie so einfach, mit tollen Bildern Eindruck zu machen!

Nutzen Sie sie!
Ihr Matthias Barth

 

* Der freundliche Herr heißt “Ole” und ist bei iStockphoto ein beliebtes Model. Seeehr beliebt.
Mein Dank für das Titelbild geht heute an Ryan Macguire von Gratisgrahpy

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Sprache ist schon etwas älter. Glaubt man den aktuellen Forschungen, so kann der Mensch und seine Vorfahren bereits seit mehr als 500.000 Jahre sprechen. Sicherlich aber nicht in der Form, wie wir sie heute kennen. Ein anderes Indiz für die Fähigkeit des Sprechens sind Funde historischen Schmucks sowie historischer Waffen. So bringt eine Speerspitze aus Essex auf ein Alter von 360.000 bis 420.000 Jahre. Die Schöninger Speere nur auf 270.000 bis 330.000 Jahre. Speere wurden als Jagdwaffe gegen große Tiere eingesetzt. Hierbei ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass unsere Vorfahren im Clan auf Mammutjagd gegangen sind und sich untereinander abstimmen mussten, da sie anderseitig keine Chance auf eine erfoglreiche Jagd hatten.

    Antworten
    • Hallo Frank,
      danke für diesen Ausflug in die Frühgeschichte. Da habe ich Fähigkeiten unserer Vorfahren gewaltig unterschätzt, bzw. in den falschen Quellen nachgeschlagen. Wikipedia weiß halt auch nicht immer alles 🙂

      Antworten

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