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Perfektionismus – die existenzbedrohende Krankheit vieler Selbständiger

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Meine letzten Artikel haben gestrotzt von Perfektionismus: individuelle Leitbilder, starke Marken, einzigartiges Corporate Design und und und. Ich hoffe Sie haben jetzt nicht das Gefühl, dass alles von Anfang perfekt und bis ins kleinste Detail ausgearbeitet sein muss. Mit dieser Einstellung kann man sich leicht verrennen.

Sie investieren viel Zeit und Geld in Ihre Strategie, Ihr Produkt und Ihr Marketing und sind auf den Erfolg angewiesen. Blöd nur, wenn der auf sich warten lässt. Dann müssen Sie Ihre Strategie auf die neue Situation hin anpassen und haben möglicherweise nicht mehr genügend Mittel dafür zur Verfügung.

Daher trete ich an dieser Stelle auf die Bremse. Verabschieden Sie sich von Ihrem Perfektionismus und verordnen Sie sich nur noch kleine homöopathische Dosen davon. Der Aufbau einer starken Marke beginnt nicht damit, von vornherein an alles gedacht zu haben und mit wehenden Fahnen blitzartig den Markt zu erobern.

Zwei gegensätzliche Erfolgsstrategien

Es gibt natürlich Unternehmen, die so vorgehen. Zalando ist ein gutes Beispiel. Ausgestattet mit einem mehrere Millionen schweren Marketingbudget hat Zalando hierzulande einen solchen Blitzstart hingelegt, dass die Kunden vor lauter Glück geschrien haben.

Diesen Erfolg verdankt das Unternehmen aber zwei ganz wesentlichen Faktoren: den Millionen der Samwer-Brüder als Kapitalgeber. Und den Erfahrungen des Internetversandhauses Zappos, denn Zalando ist eine exakte Kopie davon.

Das Original stammt natürlich wie immer aus den USA und wurde 1999 von Nick Swinmurn gegründet. Von ihm stammt das damals neue Konzept, ein Produkt online zu verkaufen, das die Leute eigentlich im Laden anprobieren wollen, nämlich Schuhe.

Um seinen Online-Shop auf die Beine zu stellen, hat Swinmurn nicht gleich damit angefangen, ein großes Lieferantennetzwerk aufzubauen, seine Lager bis oben zu füllen und einen schicken Shop programmieren lassen. Nein, er ging erst einmal in verschiedene Schuhgeschäfte, fotografierte mit Erlaubnis der Besitzer die Schuhe und stellte Sie in einem rudimentären Shop online. Wenn ein Kunde kaufte, ging er in das entsprechende Geschäft, kaufte den Schuh und schickte ihn an seinen Kunden.

Natürlich verdiente er an dem Geschäft nichts, aber er konnte schnell die ersten Erfahrungen mit echten Kunden machen. So konnte er seine Idee testen, abschätzen in welcher Größenordnung Zappos profitabel werden würde und sein Angebot stetig verbessern. Das nahm zwar deutlich mehr Zeit Anspruch, als Zalando für seinen Start benötigte. Aber es existierte auch noch keine Blaupause, ob und wie das Geschäftsmodell funktionieren würde.

Der große Zahltag kam 2009, als Amazon den Shop für ca. 850.000.000 $ übernahm. Respekt.

Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte?

Ich gehe davon aus, dass Sie kein bestehendes Unternehmen mit Risikokapital kopieren möchten, um sich schnell den deutschen Markt zu sichern, bevor es zu spät ist. Deshalb bin ich bisher auch noch nicht müde geworden zu betonen, wie wichtig das individuelle Konzept hinter Ihrem Unternehmen ist.

Nehmen Sie sich daher ruhig ein Vorbild an Nick Swinmurn: Feilen Sie an Ihrer Idee und Ihrem Konzept bis es glänzt und rund ist. Hier ist ein bisschen Perfektionismus durchaus positiv. Doch setzen Sie bei der Umsetzung nicht alles auf eine Karte.

Planen Sie ruhig mit ein, dass Sie Ihre Strategie aufgrund der ersten Erfahrungen noch ein paar mal anpassen müssen. Starten Sie lieber klein mit einem einfachen, aber funktionalen Produkt (einem sogenannten MVP) und gewinnen Sie die ersten Kunden in einer Nische, die Sie mit überschaubarem Marketingaufwand erreichen können.

Fehler sind der Anstoß für Entwicklung

Ich habe selbst vor ein paar Jahren den Fehler gemacht, mit dem China-Quartett-Kartenspiel mit einem zu perfekten Produkt und einer zu großen Auflage gestartet zu sein. Mein Partner und ich haben hier zu viele Mittel rein gesteckt, die wir gut hätten gebrauchen können, als die Verkäufe unterhalb unserer Erwartungen geblieben sind.

Zur ganzen Geschichte: Wie und warum wir gescheitert sind

Mein Punkt ist, dass Perfektion ein Weg ist, der schnell in die falsche Richtung führt. Gehen Sie Ihr Projekt Schritt für Schritt an. Niemand erwartet von Ihnen, dass alles von Anfang an perfekt ist. Die kleinen Makel machen Sie zudem durch eine viel wichtigere Eigenschaft wieder wett: Begeisterung!

Die Faszination des Neuen

Gerade am Anfang strotzen Sie sicherlich noch vor Begeisterung und Idealismus. Machen Sie sich das zu nutze. Als Gründer haben Sie einen Sympathie-Bonus, den Sie den etablierten Konkurrenten voraus haben. Sie sind der Neue am Markt. Sie dürfen anders sein. Sie dürfen ein bisschen verrückt sein. Noch niemand erwartet Perfektionismus in allen Details von Ihnen.

Diese Chance sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Das ist Ihre Geheimwaffe beim Start Ihres Unternehmens.

Begeisterung ist ansteckend. Sie lockt Ihre ersten Kunden an, die Ihr Konzept lieben und Sie unterstützen wollen, auch wenn noch nicht alles wie geschmiert läuft. Binden Sie diese Leute mit ein und halten Sie regen Kontakt zu ihnen! Das können Ihre ersten und treuesten Fans werden, die Ihnen helfen, Ihr Angebot zu verbessern und in Welt zu tragen.

Irgendwann ist die Startphase überwunden, die Kinderkrankheiten sind beseitigt und Ihr Angebot ist von vorn bis hinten professionell aufgestellt. Glückwunsch!

Und dann? Dann geht die Entwicklung weiter. Ein neues Produkt, eine neue Zielgruppe, ein neuer Konkurrent. Hinter jedem erreichten Meilenstein wartet die nächste Etappe, die nächste Herausforderung. Sehen Sie Ihr Unternehmen deshalb als ein Gesamtkunstwerk, das ewig unvollendet bleiben wird. Es ist ein Gedanke, der sehr befreiend ist:

Perfektionismus ist, jeden Tag ein bisschen besser zu werden!
Let’s keep on rolling!

Ihr Matthias Barth

Foto: Venus Fly Trap – „King Henry“ / CC BY 2.0 von Hugo A. Quintero G @ flickr.com

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