Entrepreneurship

Bitte (er)sparen Sie sich das!
Einige Gedanken zu Weihnachten

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Heute startet der Schokoladen-Countdown für den Höhepunkt des Jahres. Das erste Türchen öffnet sich, jetzt heißt es noch 23 mal schlafen, dann steht das Christkind vor der Tür. Oder der Weihnachtsmann. Oder Papa, den Arm voller Geschenke, die er heimlich versucht unter den Weihnachtsbaum zu lancieren.

Der große Weihnachts-Wettlauf hat begonnen: Geschenke, Christbaum, Lichterketten, Plätzchen, Stollen, Glühwein, Krippe, Lametta, Weihnachtskarten, Geschenkpapier, Wunschlisten und Weihnachtsgans – alles will erledigt sein, damit es auch schön besinnlich wird. Weihnachten regiert die Devise, nur MEHR ist MEHR.*
Stopp! Nehmen Sie sich eine Minute Zeit für ein paar Gedanken zu Weihnachten.

Zu Weihnachten will jeder sich profilieren

Bei so viel gepuschten Emotionen wollen natürlich auch die Unternehmen mitmischen. Ich meine hier jetzt nicht den Einzelhandel, die Hersteller von Konsumartikeln und Glühweinstände, die ein besonderes finanzielles Interesse an Weihnachten haben. Ich meine das Gros der Unternehmen, die Weihnachten nicht Ihren Hauptumsatz machen und dem ganzen eigentlich gelassen entgegen sehen können.

Aber nein, auch hier beginnt Weihnachten schon Monate im voraus. Man möchte sich die Gelegenheit ja nicht entgehen lassen, den Kunden seine Wertschätzung entgegen zu bringen. Und schon gar nicht möchte man als Knauser dastehen, der die billigste Karte geschickt hat.

Also wird geklotzt, nicht gekleckert, und die absurdesten Dinge produziert. Mein persönlicher Favorit in den letzten Jahren war ein Adventskalender mit einer Sondermüllverbrennungsanlage als Motiv.

Schon im Sommer klingeln viele Unternehmen bei ihren Agenturen an und bestellen eine tolle, kreative, nie da gewesene Weihnachtsaktion. Das typische Briefing lautet:

Wir brauchen eine tolle Aktion zu Weihnachten! Weihnachtlich muss sie sein. Aber ein Bezug zu den Produkten der Firma muss auch drin sein. Und das bitte überraschend, tiefgründig und kreativ. Lasst Euch was einfallen!

 

Es ist das Albtraum-Briefing eines jeden Designers

Und es kommt jedes Jahr. Mehrfach. Schlimmer noch: Meist geht dabei noch etwas schief:

Es ist schon schwer genug zu Weihnachten noch irgendetwas neuartiges zu finden. Oft wird die mühsam erarbeitete Idee dann aber vom Marketingleiter abgeändert und verschlimmbessert. Einmal hat ein Kunde darauf bestanden, als Kultur-Vertreter des japanischen Mutterkonzerns eine Geisha auf der Weihnachtskarte abzubilden. Unser Einwand, dass Geishas für eine möglicherweise unpassende Form der Full-Service-Unterhaltung stehen, wurde leider ignoriert. Die Japaner waren not-amused.

Dem selben Kunden waren in einem Jahr die Weihnachtskarten zu dünn, also wurde im nächsten Jahr dickeres Papier verwendet. Die Karten sahen toll aus, der Kunde hat trotzdem Schadensersatz verlangt – weil die dickeren Karten mehr Porto gekostet haben, als ein 60-Cent-Standardbrief.

Auch die Druckereien haben Ihren Spaß an Weihnachten. Weil die aufwendigen Druckveredelungen im ersten Anlauf oft nicht gelingen, muss häufiger mal eine komplette Auflage neu produziert werden. Manchmal sogar mehrfach.

Diesen Weihnachtswahnsinn können Sie sich sparen!

Viele tausend Euro später hat der Kunde dann endlich seine Weihnachtskarten, seinen Kalender, seine Animation oder was auch immer. Und wozu?

Dafür dass die Empfänger jedes Jahr mit duzenden Karten, Geschenken und Give-Aways überhäuft werden! Das meiste davon landet kaum gelesen im Papierkorb. Ich möchte nicht wissen, wie viele Milliarden auf diese Weise vollkommen sinnlos verpulvert werden. Sparen Sie bitte sich und der Umwelt diesen Irrsinn!

Was tun, wenn man nicht nichts tun will?

Es gibt bessere Wege, auch an Weihnachten seinen Kunden Wertschätzung entgegen zu bringen, ohne viel Geld ausgeben zu müssen.

  • Schreiben Sie einen Brief, am besten von Hand. Der wird dann wenigstens auch gelesen und nicht schon von der Sekretärin aussortiert.
  • Zu aufwendig? Dann kaufen Sie sich fertige Karten von der Kindernothilfe oder einer andern Hilfsorganisation. So geht das Geld an einen guten Zweck und Sie brauchen nur ein paar Worte zu schreiben.
  • Oder spenden Sie das Geld lieber und schreiben Ihren Kunden eine E-Mail. Wünschen Sie frohe Weihnachten und erklären Sie, dass Sie das Geld für Weihnachtskarten und -geschenke lieber einem guten Zweck zukommen lassen.
  • Oder rufen Sie einfach mal an, um Ihre Wünsche persönlich mitzuteilen. Kurz vor Weihnachten ist in der Regel eh nicht viel los.
  • Oder lassen Sie Weihnachten ganz unter den Tisch fallen. Wenn Sie eine besondere Aktion für Ihre Kunden planen, suchen Sie sich einen anderen Anlass, der zu Ihrem Unternehmen passt und zu dem Ihre Aktion auch wirklich auffällt.

Am besten aber ist: warten Sie nicht bis Weihnachten, um Ihren Kunden Wertschätzung zu zeigen. Tun Sie das das ganze Jahr über und lassen Sie Weihnachten Weihnachten sein – ein privates Fest mit den Menschen, die einem wichtig sind. Es gibt schon genug Kommerz drum herum.

Der Adventskalender für Weltveränderer

Übrigens habe ich mich von alldem nicht abhalten lassen, doch eine kleine Weihnachtsaktion zu machen. Auf meiner Facebook-Seite finden Sie ab heute den Adventskalender für Weltveränderer. 24 kleine gute Taten für die Weihnachtszeit.

Ich werde diese 24 guten Taten alle selbst ausprobieren und berichten, wie es mir ergangen ist. Machen Sie mit! Es gehört nicht viel dazu und die guten Taten rücken das ins Licht, worauf es wirklich ankommt. Nicht nur an Weihnachten.

Hier geht es zum Adventskalender

Aber Vorsicht: Ein „Gefällt mir“ verpflichtet zum Mitmachen!

Viel Freude in der Weihnachtszeit!
Ihr Matthias Barth

 

* Ich bin übrigens kein Weihnachtsmuffel. Ich mag Weihnachten, nur den ganzen Wahnsinn nicht.

Titelbild: Sheila C. / CC BY-SA 2.0

 

Was sind Ihre Gedanken zu Weihnachten? Was sind Ihre kuriosesten Erlebnisse?
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