Entrepreneurship

Selbständig sein ohne selbst ständig zu arbeiten?

2 Kommentare

In den Monaten der Vorbereitung, als Startworks langsam Gestalt annahm, fand ich die Reaktionen der Leute auf meine geplante Selbständigkeit immer wieder interessant. Ich erntete viel Bewunderung, Respekt und große Augen. Manche wirkten so beeindruckt, als hätte ich vor, den Himalaja zu Fuß zu überqueren oder auf eine 3-Jährige Marsmission aufzubrechen.

Besonders die Tatsache, dass man als Selbständiger keinen bezahlten Urlaub bekommt, sehen viele wohl als eine Art Selbstgeißelung. Es heißt ja nicht umsonst:

Wer selbständig ist arbeitet selbst. Und das ständig.

Der eine oder andere glaubt sogar, dass in den ersten drei Jahren Urlaub des selbständig seins völlig unmöglich ist. Falls Sie diese Befürchtung teilen, habe ich gute Nachrichten: Sie müssen vieles selbst machen, aber nicht ständig!

Ich bin noch keine drei Jahre selbständig, sondern erst drei Monate. Trotzdem sitze ich hier gerade im T-Shirt am Swimmingpool und lasse mich von der Wärme der Toskana verwöhnen während ich diese Zeilen schreibe. Das einzig ärgerliche an der Sache ist dieser sinnlose Trend zu verspiegelten Displays.

Ich gebe zu, dass ich eine Sonderrolle habe. Ich bin Solopreneur. Als Blogger und Designer könnte ich die meiste Zeit an jedem Ort der Welt arbeiten und keiner würde mich vermissen. Aber darum geht es mir nicht. Ich möchte mit diesem Beitrag ein Plädoyer gegen die Selbstausbeutung halten.

Sie sind jetzt selbständig!

Die Zeiten, in denen Ihnen ein Vorgesetzter Aufgaben zugeteilt hat und Sie nach Anwesenheit bezahlt wurden sind vorbei (oder zumindest gezählt, falls Sie noch in Ihrem Job sind). Ersetzen Sie jetzt nicht Ihren alten Chef durch einen neuen, noch viel strengeren: sich selbst.

Hinter jeder Gründung steckt ein gewaltiger Druck: Druck von der Gesellschaft, die Scheitern immer noch als Makel sieht. Druck von der Familie und von Ihrem Partner, die auf Sie zählen. Und Druck von innen heraus, den Sie sich selbst machen.

Dem entgegen steht dieses Feuer, das in Ihnen brennt. Diese Begeisterung für die Sache, der unbedingte Wille zum Erfolg und die Ungeduld so schnell wie möglich durchzustarten.

Diese beiden Komponenten ergeben eine hochexplosive Mischung, die Sie wie ein Nachbrenner voran treibt. So viel Energie, so viel Motivation, wer sollte Sie da noch aufhalten?

Mein Tipp: Halten Sie sich selbst ab und zu auf! Das Feuer ist vergänglich, der Druck nicht. Bewahren Sie sich daher Ihre Energie, damit Sie die Kraft haben, dem Druck stand zu halten. Ich merke es an mir selbst, dass es mir oft schwer fällt, abzuschalten. Es ist ja mein Baby, wieso sollte ich mich mit etwas anderem beschäftigen?

Aber ich weiß auch, wie wichtig diese Pausen sind. Zu meinem Beruf gehören viel Kreativität und Ideen. Wenn ich mir keine Pausen gönne, spuckt mein Kopf irgendwann nichts Verwertbares mehr aus. Manchmal arbeite ich trotzdem noch weiter, obwohl mir der nötige Abstand und der kritische Blickwinkel fehlen. Wenn ich mir die Sachen dann am nächsten Tag anschaue, schüttele ich oft nur den Kopf und mache es noch einmal neu und besser – in weniger als der halben Zeit.

Sie haben jetzt auch einen kreativen Beruf!

Sie sind selbständiger Unternehmer! Es kommt auf Ihre Ideen an und Sie werden tagtäglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert, zu denen Sie erst geeignete Lösungen finden müssen. Ihr Erfolg hängt maßgeblich davon ab, dass Sie hier die richtigen Entscheidungen treffen und den Kopf frei haben für unkonventionelle Ideen.

Daher mein Rat: Strecken Sie der Selbst-und-ständig-Arbeiter-Fraktion die Zunge raus und nehmen Sie sich Ihre Auszeiten. In täglich sechs Stunden konzentrierter Arbeit schaffen Sie auf Dauer mehr als wenn Sie sich ständig selbst ausbeuten. Nehmen Sie sich den Rest des Tages frei wann immer es möglich ist!

Geht Ihnen dann nicht wertvolle Arbeitszeit verloren? Nein! Nur weil Sie nicht am Schreibtisch sitzen, hört Ihr Gehirn nicht auf zu arbeiten. Sogar wenn Sie sich mit etwas ganz anderem beschäftigen arbeitet Ihr Unterbewusstsein immer noch an Lösungen für Ihre akuten Probleme.  Die besten Ideen kommen dann, wenn der Kopf eigentlich Pause macht.

Sie müssen auch nicht immer und überall erreichbar sein. Der Erfolg Ihrer Selbständigkeit hängt nicht davon ab, ob Sie sich ab und zu einen Tag frei nehmen. Oder sogar eine ganze Woche. Wer sollte es Ihnen verübeln? Ihre Kunden laufen deswegen nicht gleich weg, wenn Sie nicht gerade einen wichtigen Termin verschlafen. Und Ihr Chef? Dem haben Sie doch neulich die Kündigung hingelegt, erinnern Sie sich?

Es spricht also nichts dagegen, dass Sie Ihren Geist und Körper gut behandeln. Die beiden sind Ihr wichtigstes Kapital. Verschwenden Sie es nicht vor lauter Übereifer.

In diesem Sinne mache auch ich jetzt Schluss. Beste Grüße nach Deutschland. Ich bring Ihnen ein paar Sonnenstrahlen mit!
Ihr Matthias Barth

 

P.S.: Wie Sie Ihre Arbeitszeit effektiver nutzen, können Sie bei Peer Wandigers Blog Selbstständig im Netz nachlesen: 25 Tipps für normale Arbeitszeiten!

Kennen Sie auch jemanden, der zuviel arbeitet?
Tun sie etwas Gutes und leiten Sie ihm oder ihr diesen Artikel weiter!

 

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Avatar
    Daniel Held
    8. Oktober 2014 17:46

    Hi Matthias, ich weiß, wovon du sprichst. Es ist dieses schlechte Gewissen, dass einem in der Anstellung eingetrichtert wird: Nur wenn du an deinem Rechner sitzt und “arbeitest” (es reicht, wenn du auf den Bildschirm glotzt – was du da tust, ist erst mal Nebensache), schaffst du was. Dabei ist der gesündere Weg der, den du beschreibst: Sich gezielt Auszeiten nehmen, durchatmen. Denn nur wer Dinge sacken lässt und einordnet, kann auch wieder Leistung bringen. Und es handelt sich ja um einen Marathon, den man mit seiner Selbstständigkeit zurücklegt und nicht um einen 100-Meter-Lauf. Daher: Kräfte gut einteilen und clever agieren. Ich bestärke dich in deiner Intention und kann den Leuten nur raten, es gleich zu tun.

    Antworten
    • Zumindest in der Theorie klingt das ganz leicht. In der Praxis stelle auch ich mir trotzdem immer wieder selbst ein Bein: ich vertrödele Zeit mit Kleinkram, der nicht so wichtig wäre, lasse mich gerne mal ablenken anstatt an einer Sache dran zu bleiben und auch das Abschalten gelingt nicht immer.
      Deshalb antworte ich Dir auch um 10 Uhr Abends anstatt einfach nur den Abend zu genießen 😉

      Antworten

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